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Schwerbehindertenausweis für Gleichgestellte: Warum der GdB 30 nicht ausreicht

GdB 30, Gleichstellung bescheinigt – der Ausweis bleibt verwehrt. Die Bundesagentur stellt behinderten Menschen gleich, doch das sichtbare Dokument für genau diesen Status verweigert das Versorgungsamt.
Mann hält Bescheid zur Gleichstellung neben einem Portemonnaie mit leerem Sichtfach für den Behindertenausweis.
Eine Gleichstellung bei einem GdB von 30 begründet keinen rechtlichen Anspruch auf die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises. Symbolfoto: KI

Zum vorliegenden Urteilstext springen: L 3 SB 206/24

Das Wichtigste im Überblick

Behinderte Menschen mit einem GdB von 30 erhalten trotz Gleichstellung keinen Schwerbehindertenausweis.
  • Das Gericht verweigerte einem gleichgestellten Mann mit GdB 30 das offizielle Ausweisdokument.
  • Ein Schwerbehindertenausweis setzt gesetzlich zwingend einen Grad der Behinderung von mindestens 50 voraus.
  • Die Gleichstellung durch die Arbeitsagentur fingiert keine Schwerbehinderung für die Ausweisausstellung.
  • Betroffene weisen ihren Status gegenüber Arbeitgebern stattdessen durch den Bescheid der Arbeitsagentur nach.

  • Gericht: Hessisches Landessozialgericht
  • Datum: 27.01.2026
  • Aktenzeichen: L 3 SB 206/24
  • Verfahren: Berufung (Allgemeine Leistungsklage)
  • Rechtsbereiche: Schwerbehindertenrecht, Sozialrecht
  • Relevant für: Gleichgestellte behinderte Menschen, Versorgungsämter, Arbeitgeber

Kein Schwerbehindertenausweis für Gleichgestellte mit GdB 30

Gemäß § 152 Abs. 5 Satz 1 SGB IX wird ein Ausweis über die Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch ausgestellt. Das SGB IX ist das Gesetzbuch, das die Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen in Deutschland regelt. Diese Eigenschaft setzt nach § 2 Abs. 2 SGB IX zwingend einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 voraus. Gleichgestellte behinderte Menschen werden rechtlich in § 2 Abs. 3 SGB IX ausdrücklich von schwerbehinderten Menschen unterschieden.

Das Hessische Landessozialgericht musste sich mit dieser strikten Trennung befassen, als ein im November 1968 geborener Mann die Ausstellung eines solchen Dokuments einforderte. Der Betroffene verfügte über einen behördlich festgestellten GdB von 30 und verwies auf seine offizielle Gleichstellung durch die Agentur für Arbeit nach § 151 SGB IX. Er wollte die gängige Verwaltungspraxis gerichtlich klären lassen und verlangte ein Ausweisdokument, das seinen Status dokumentiert. Die Richter wiesen seine Berufung jedoch endgültig zurück (Az. L 3 SB 206/24), da ein GdB von 30 für die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises schlichtweg nicht ausreicht.

Redaktionelle Leitsätze

  1. Ein Schwerbehindertenausweis nach § 152 Abs. 5 SGB IX wird ausschließlich für schwerbehinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 ausgestellt; eine behördliche Gleichstellung nach § 151 SGB IX begründet keinen Anspruch auf dieses Dokument.
  2. Die Eintragung des Grades der Behinderung oder der Gleichstellungsfeststellung als Sondervermerk in einen Schwerbehindertenausweis ist unzulässig, weil § 4 Abs. 2 der Schwerbehindertenausweisverordnung Eintragungen außerhalb der dort ausdrücklich vorgesehenen Angaben verbietet.
  3. Die Klage auf Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises ist als allgemeine Leistungsklage nach § 54 Abs. 5 SGG statthaft, da es sich bei der Ausweisausstellung um einen Realakt handelt, für den weder ein Vorverfahren noch eine Klagefrist erforderlich ist.
Infografik: Vergleich zwischen Schwerbehinderung (GdB 50) und Gleichstellung (GdB 30) bezüglich des Anspruchs auf einen Schwerbehindertenausweis.
Wer nur gleichgestellt ist (GdB 30), hat keinen Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Das Hessische LSG stellt klar: Der Ausweis setzt GdB ≥ 50 voraus. Auch Sondervermerke zur Gleichstellung sind unzulässig. Az. L 3 SB 206/24

Praxis-Hinweis:

Der entscheidende Faktor für den Erhalt des Ausweises ist ausschließlich der numerische Grad der Behinderung von mindestens 50. Wenn Sie einen GdB von 30 oder 40 haben, erhalten Sie das Dokument auch dann nicht, wenn Sie beruflich schwerbehinderten Menschen gleichgestellt wurden. In diesem Fall dient allein der schriftliche Bescheid der Agentur für Arbeit als Nachweis Ihres Status.

Darf ein GdB 30 im Ausweis stehen?

Die gesetzliche Systematik sieht vor, dass der Ausweis ausschließlich dem Nachweis der Schwerbehinderteneigenschaft gegenüber Dritten dient. Entsprechend regelt die Schwerbehindertenausweisverordnung (SchwbAwV) lediglich einen Ausweis für schwerbehinderte Menschen. Zudem verbietet § 4 Abs. 2 SchwbAwV strikt die Eintragung von Merkzeichen oder sonstigen Vermerken, die in der Verordnung nicht ausdrücklich vorgesehen sind. Merkzeichen sind Buchstabenkürzel wie „G“ für Gehbehinderung oder „B“ für Begleitperson, die den Anspruch auf zusätzliche Leistungen wie Freifahrten im Nahverkehr belegen.

Diese strengen Vorgaben für Zusatzeintragungen wurden dem Mann zum Verhängnis, der vom beklagten Land gefordert hatte, ihm einen Schwerbehindertenausweis auszustellen und darin explizit den GdB von 30 sowie die erfolgte Gleichstellung zu vermerken. Das Gericht entschied jedoch, dass eine derartige individuelle Anpassung rechtlich unzulässig ist, da die Verordnung solche Sondervermerke nicht erlaubt. Die Vertreter des Landes hatten im Verfahren erfolgreich argumentiert, dass das Dokument ausschließlich dazu gedacht ist, einen GdB ab 50 gegenüber anderen Stellen rechtssicher nachzuweisen.

Leistungsklage: Der prozessuale Weg zum Behindertenausweis

Die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises wird juristisch als sogenannter Realakt und nicht als klassischer Verwaltungsakt eingestuft. Das bedeutet konkret: Es geht hier nicht um eine rechtliche Regelung oder Entscheidung, sondern um die rein tatsächliche Aushändigung des Dokuments. Um einen solchen Realakt gerichtlich zu erzwingen, ist die allgemeine Leistungsklage nach § 54 Abs. 5 des Sozialgerichtsgesetzes (SGG) die statthafte Klageart. Ein förmliches Vorverfahren oder die Einhaltung einer bestimmten Klagefrist sind für diesen speziellen Verfahrensweg nicht erforderlich. Das ist eine verfahrensrechtliche Besonderheit, da man normalerweise erst ein Widerspruchsverfahren durchlaufen muss, bevor man gegen Behörden klagen kann.

Bei der begehrten Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises handelt es sich um einen Realakt und nicht um einen Verwaltungsakt […], so dass die auf Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises gerichtete Klage als allgemeine (echte) Leistungsklage statthaft ist. – so das Hessische Landessozialgericht

Die prozessuale Zulässigkeit dieses Vorgehens bestätigten die Richter in ihrem Urteil ausdrücklich, auch wenn der Betroffene in der Sache keinen Erfolg hatte. Das beklagte Land hatte zuvor noch eingewandt, es fehle überhaupt an einer gesetzlichen Grundlage für ein solches Klageverfahren zur Ausstellung des Ausweises. Das Gericht stellte jedoch klar, dass die allgemeine Leistungsklage das korrekte Instrument war, um sich gegen die behördliche Weigerung zu wehren. Der Rechtsstreit hatte seinen Ursprung in einem Widerspruchsbescheid des Landes vom 21. Dezember 2022, gegen den der Mann zunächst keine Klage erhoben hatte, bevor er das Thema im Jahr 2024 erneut aufrollte.

Sollte Ihnen trotz eines GdB von 50 die Ausweisausstellung verweigert werden, können Sie ohne Umwege über ein Widerspruchsverfahren direkt die allgemeine Leistungsklage beim Sozialgericht erheben. Da hier keine Klagefristen gelten, ist ein sofortiges gerichtliches Vorgehen gegen die Behörde jederzeit möglich.

Warum Gleichstellung nicht zum Schwerbehindertenausweis führt

Zwar ordnet § 151 Abs. 1 SGB IX an, dass die Regelungen des Teils 3 des SGB IX grundsätzlich für schwerbehinderte und gleichgestellte behinderte Menschen gelten. Gleichgestellte sind jedoch primär im arbeitsbezogenen Bereich geschützt und werden rechtlich nicht als schwerbehinderte Menschen fingiert. Das bedeutet: Das Gesetz behandelt sie nicht künstlich so, als hätten sie einen GdB von 50, wenn dies tatsächlich nicht vorliegt. Der Nachweis ihres besonderen Status erfolgt stattdessen über den entsprechenden Bescheid der Bundesagentur für Arbeit.

Mit dem Argument der rechtlichen Gleichbehandlung versuchte der Betroffene vor dem Sozialgericht Frankfurt am Main und später in der Berufungsinstanz seinen Anspruch zu untermauern. Er vertrat die Auffassung, dass eine Gleichstellung zwingend die gleichen Rechte wie bei einer Schwerbehinderung umfassen müsse und ein Ausschluss von der Ausweisausstellung eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung darstelle.

Keine verbotene Diskriminierung durch den Gesetzgeber

Das Gericht widersprach dieser Sichtweise deutlich und verwies auf den klaren Wortlaut des § 152 Abs. 5 SGB IX, der ausschließlich Personen mit einem GdB von mindestens 50 erfasst. Die Richter sahen in dieser Trennung keine verbotene Diskriminierung, da das Gesetz bewusst und aus sachlichen Gründen zwischen den verschiedenen Statusgruppen differenziert. Für den Senat war es zudem gesetzessystematisch nicht nachvollziehbar, warum das Land einen Ausweis über eine Gleichstellungsfeststellung ausstellen sollte, für die originär die Bundesagentur für Arbeit zuständig ist.

Denn nach dem ausdrücklichen Wortlaut des § 152 Abs. 5 Satz 1 SGB IX stellen die zuständigen Behörden eben einen Ausweis über die „Eigenschaft als schwerbehinderter Mensch“ und nicht einen Ausweis über die Eigenschaft als „Schwerbehinderten gleichgestellter behinderter Mensch“ aus. – so das Gericht

Gleichgestellte müssen Bescheid der Arbeitsagentur nutzen

Das Urteil des Hessischen Landessozialgerichts stellt klar, dass die Gleichstellung ein reines Instrument des Arbeitsrechts ist und keinen Anspruch auf den amtlichen Ausweis begründet. Da diese Rechtsauffassung der ständigen Instanzrechtsprechung entspricht, sollten Sie von weiteren Anträgen oder Klagen absehen, wenn Ihr GdB unter 50 liegt. Verlassen Sie sich stattdessen auf Ihren schriftlichen Bescheid der Arbeitsagentur – dieser ist Ihr einziges gültiges Dokument, um gegenüber dem Arbeitgeber Sonderkündigungsschutz oder Zusatzurlaub geltend zu machen. Ohne Vorlage dieses Bescheids riskieren Sie, dass Ihr besonderer Kündigungsschutz im Ernstfall nicht greift.

Praxis-Hürde: Nachweis der Gleichstellung

Die Gleichstellung verschafft Ihnen zwar arbeitsrechtliche Vorteile wie den Kündigungsschutz, führt aber nicht zur Statusänderung im Sinne des Ausweisrechts. Wer die Gleichstellung besitzt, muss gegenüber dem Arbeitgeber oder anderen Stellen den Bescheid der Arbeitsagentur vorlegen – ein Anspruch auf den Schwerbehindertenausweis lässt sich daraus nicht ableiten.


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Die korrekte Feststellung des Grades der Behinderung ist die Grundvoraussetzung für Ihren Schwerbehindertenausweis und die damit verbundenen Nachteilsausgleiche. Unsere Rechtsanwälte prüfen Ihren Bescheid auf Erfolgsaussichten für einen Widerspruch oder eine Klage vor dem Sozialgericht. Wir unterstützen Sie dabei, Ihren tatsächlichen Status gegenüber den Behörden rechtssicher durchzusetzen.

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Experten Kommentar

Viele Personalabteilungen sind mit dem bloßen Gleichstellungsbescheid schlichtweg überfordert. In den gängigen HR-Systemen sehe ich oft nur ein Häkchen für den Schwerbehindertenausweis, was bei Betroffenen zu endlosen Erklärungsnöten führt. Deshalb versuchen meine Mandanten immer wieder verzweifelt, doch noch das handliche Plastikkärtchen einzuklagen, um diese ständigen Diskussionen am Arbeitsplatz zu beenden.

Wer diesen Status hat, spart sich viel Frust, wenn er den Bescheid der Arbeitsagentur direkt mit einem klärenden Begleitschreiben bei der Personalstelle einreicht. Ein aussichtsloser Prozess um den Ausweis kostet nur unnötig Nerven und Geld. Betroffene fahren deutlich besser damit, ihre Rechte selbstbewusst mit dem Papierbescheid durchzusetzen, anstatt einem Dokument hinterherzujagen, das ihnen gesetzlich nicht zusteht.


Ein Holzfragezeichen steht neben einem Buch mit der Aufschrift "SGB Sozialrecht" auf einem Holzuntergrund. Daneben befinden sich ein Paar Schuhe, ein Stift und eine Registerkarte in einem warmen, orangefarbenen Licht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Habe ich als Gleichgestellter Anspruch auf Parkerleichterungen oder vergünstigte Fahrten im Nahverkehr?

NEIN. Parkerleichterungen und Vergünstigungen im Nahverkehr sind zwingend an den Besitz eines Schwerbehindertenausweises gebunden, den gleichgestellte Personen mit einem Grad der Behinderung unter 50 gesetzlich nicht erhalten können. Die Gleichstellung beschränkt sich rechtlich fast ausschließlich auf den Schutz im Arbeitsleben und bietet keine Grundlage für soziale Vergünstigungen.

Gemäß § 152 Abs. 5 SGB IX wird ein offizieller Ausweis erst ab einem Grad der Behinderung von mindestens 50 ausgestellt. Nur in dieses Dokument können die erforderlichen Merkzeichen wie G (erhebliche Gehbehinderung) eingetragen werden, die als rechtliche Grundlage für Freifahrten oder Parkausweise dienen. Da die Gleichstellung nach § 151 SGB IX lediglich der Arbeitsplatzsicherung dient, entfaltet sie keine Wirkung für allgemeine Nachteilsausgleiche im öffentlichen Raum. Betroffene müssen für diese sozialen Vergünstigungen zwingend die Schwelle zur Schwerbehinderung erreichen, da die Gleichstellung durch die Arbeitsagentur hierfür keine gesetzliche Basis bietet.

Sollte Ihre gesundheitliche Einschränkung jedoch so massiv sein, dass eine Mobilitätsbeeinträchtigung vorliegt, empfiehlt sich ein Neufeststellungsantrag beim Versorgungsamt. Nur durch die Erhöhung des GdB auf mindestens 50 und die Zuerkennung spezifischer Merkzeichen lassen sich die gewünschten Erleichterungen im Alltag rechtssicher beanspruchen.


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Verliere ich meinen Kündigungsschutz, wenn ich den Gleichstellungsbescheid nicht rechtzeitig beim Arbeitgeber einreiche?

JA. Sie riskieren Ihren besonderen Kündigungsschutz massiv, wenn Sie den Gleichstellungsbescheid nicht rechtzeitig vorlegen, da dieser Ihr einziges gültiges Dokument zum Nachweis Ihres Status gegenüber dem Arbeitgeber ist. Ohne die Kenntnis dieses Dokuments kann Ihr Arbeitgeber die gesetzlichen Schutzvorschriften im Falle einer Kündigung nicht beachten.

Der Sonderkündigungsschutz für gleichgestellte behinderte Menschen gemäß § 151 SGB IX ist zwingend an den Nachweis dieses rechtlichen Status gebunden, wobei ausschließlich der Bescheid der Agentur für Arbeit als Beweismittel fungiert. Da für Personen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 kein offizieller Schwerbehindertenausweis ausgestellt wird, bleibt die Vorlage dieses Bescheids die einzige Möglichkeit zur Information des Arbeitgebers. Erhält das Unternehmen keine Kenntnis von Ihrer Gleichstellung, muss es vor Ausspruch einer Kündigung keine Zustimmung des zuständigen Integrationsamtes einholen, wodurch Ihr Schutz faktisch ins Leere läuft. Um Ihre Rechte rechtssicher zu wahren, sollten Sie eine Kopie des Bescheids nachweisbar per Einwurf-Einschreiben an die Personalabteilung senden und den Zugang sorgfältig dokumentieren.

Eine Ausnahme besteht lediglich dann, wenn Sie den Antrag auf Gleichstellung mindestens drei Wochen vor dem Zugang der Kündigung gestellt haben und dem Arbeitgeber Ihren Status innerhalb von drei Wochen nach Kündigungserhalt mitteilen.


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Darf ich bei verweigerter Ausweisausstellung sofort klagen oder muss ich erst einen Widerspruch schreiben?

JA. Bei einer verweigerten Ausweisausstellung können Sie sofort eine allgemeine Leistungsklage beim Sozialgericht erheben, da hierfür kein vorheriges Widerspruchsverfahren erforderlich ist. Die rein tatsächliche Aushändigung des Dokuments wird rechtlich anders bewertet als die vorangegangene Feststellung der Behinderung.

Die rechtliche Begründung liegt in der Einordnung der Ausweisausstellung als sogenannter Realakt, der im Gegensatz zu einem Verwaltungsakt keine eigenständige rechtliche Regelung darstellt. Während Sie gegen die Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) zunächst Widerspruch einlegen müssen, greift bei der rein tatsächlichen Handlung der Ausweisausgabe gemäß § 54 Abs. 5 des Sozialgerichtsgesetzes (SGG) der direkte Klageweg. Da es sich nicht um einen anfechtbaren Bescheid handelt, müssen Sie weder ein förmliches Vorverfahren durchlaufen noch bestimmte Klagefristen einhalten, um Ihren Anspruch gerichtlich durchzusetzen. Dieser Weg steht Ihnen immer dann offen, wenn die Behörde trotz eines bereits rechtskräftig festgestellten GdB von mindestens 50 die physische Erstellung oder Zusendung des Schwerbehindertenausweises verweigert.

Diese verfahrensrechtliche Erleichterung gilt jedoch ausschließlich für die Aushändigung des Dokuments und nicht für die inhaltliche Bewertung Ihrer gesundheitlichen Einschränkungen. Sobald die Behörde eine rechtliche Entscheidung über Ihren Status trifft, bleibt das Widerspruchsverfahren eine zwingende Voraussetzung.


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Wie wehre ich mich rechtlich gegen eine Herabstufung meines GdB von 50 auf 30?

Gegen eine Herabstufung müssen Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch gegen den neuen Feststellungsbescheid beim zuständigen Versorgungsamt einlegen. Nur durch die Anfechtung des GdB-Bescheids sichern Sie Ihren Status als schwerbehinderter Mensch und damit den Verbleib Ihres Schwerbehindertenausweises.

Der rechtliche Hebel liegt nicht in der Verweigerung der Ausweisrückgabe, sondern im Angriff auf die medizinische Bewertung Ihrer Behinderung. Gemäß § 152 Abs. 5 SGB IX ist der Schwerbehindertenausweis akzessorisch zum Grad der Behinderung, was bedeutet, dass er ohne einen GdB von mindestens 50 seine gesetzliche Grundlage verliert. Sobald der Herabstufungsbescheid auf einen GdB von 30 bestandskräftig wird, entfallen sofort Ihre Ansprüche auf Zusatzurlaub und den besonderen Kündigungsschutz. Durch den rechtzeitigen Widerspruch verhindern Sie den sofortigen Statusverlust, da dieser die Bestandskraft des neuen Bescheids zunächst wirksam hemmt.

Eine Herabstufung nach § 48 SGB X ist rechtlich nur zulässig, wenn eine wesentliche Verbesserung Ihrer gesundheitlichen Verhältnisse tatsächlich eingetreten ist. Fehlt eine solche Änderung, bleibt der ursprüngliche GdB von 50 bestehen und der Ausweis muss nicht zurückgegeben werden.


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Reicht mein GdB von 30 für den Steuer-Pauschbetrag ohne Vorlage eines Schwerbehindertenausweises aus?

JA, für die Inanspruchnahme des Steuer-Pauschbetrags bei einem GdB von 30 ist kein Schwerbehindertenausweis erforderlich, da der schriftliche Feststellungsbescheid des Versorgungsamtes als gesetzlicher Nachweis gegenüber dem Finanzamt vollkommen ausreicht. Dieser Bescheid dokumentiert Ihren Status rechtsverbindlich für steuerliche Zwecke.

Die steuerlichen Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen sind gemäß § 33b Einkommensteuergesetz (EStG) nicht an den Status der Schwerbehinderung geknüpft, der erst ab einem GdB von 50 erreicht wird. Da für einen GdB von 30 gesetzlich kein Schwerbehindertenausweis ausgestellt werden darf, tritt der Feststellungsbescheid des Versorgungsamtes an dessen Stelle. Das Finanzamt erkennt dieses Dokument als Grundlage für die Gewährung des Pauschbetrags an, sofern die Behinderung darin eindeutig festgestellt wurde. Sie sollten den GdB von 30 daher einfach in der Anlage Außergewöhnliche Belastungen Ihrer Steuererklärung eintragen und den Bescheid als Beleg beifügen. Ein Warten auf ein Ausweisdokument ist nicht notwendig und rechtlich auch nicht vorgesehen.

Seit der gesetzlichen Neuregelung im Jahr 2021 entfallen zudem die früheren Zusatzvoraussetzungen für einen GdB unter 50. Nunmehr genügt allein die Feststellung des Grades der Behinderung ab einem Wert von 20 für den steuerlichen Abzug.


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Hinweis/Disclaimer: Teile der Inhalte dieses Beitrags, einschließlich der FAQ, wurden unter Einsatz von Systemen künstlicher Intelligenz erstellt oder überarbeitet und anschließend redaktionell geprüft. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen unverbindlichen Information und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar und können eine solche auch nicht ersetzen. Trotz sorgfältiger Bearbeitung kann keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen werden. Die Nutzung der Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung; eine Haftung wird im gesetzlich zulässigen Umfang ausgeschlossen.

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Das vorliegende Urteil


Az.: L 3 SB 206/24 – Urteil vom 27.01.2026




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